„Tiergestützt ist auch tiergeschützt“: Ein Interview zu tiergestützter Pädagogik
Schafe sind tolle Tiere und mehr als nur Nutztiere. In einer kleinen Gruppe kann man sie in einem weitläufigem Garten sogar als Haustiere halten, so wie Jessica Schmidt. Sie erzählt uns in einem Interview, was die Haltung von Schafen bedeutet und wie diese vielseitigen Tiere sogar in der tiergestützten Pädagogik eingesetzt werden können.
Bettiversum: Was sind Schafe für Tiere und was ist besonders an ihnen?
Jessica: Also ich fange erst mal damit an, warum ich Schafe als ganz besondere Tiere empfinde. Als meine Schafe bei mir eingezogen sind, haben sie mich angeschaut und ich hatte gleich das Gefühl, dass sie mir in die Seele schauen können. Außerdem haben Schafe ein ganz ruhiges Wesen, deshalb sind sie auch sehr gut für die tiergestützte Pädagogik geeignet.
Bettiversum: Was ist tiergestützte Pädagogik?
Jessica: Tiergestützte Pädagogik ist die Arbeit mit Mensch und Tier. Ich zum Beispiel möchte mit älteren Menschen oder mit Menschen, die Demenz haben, arbeiten. Der Leitsatz ist immer „Tiergestützt ist auch tiergeschützt“. Das heißt, ich mache nichts, was meine Schafe nicht wollen. Bei mir muss kein Schaf zu den Menschen kommen, sondern sie können beobachtet werden oder es kann Futter vorbereitet werden. Man kann auch Aufklärungsarbeit über das Tier machen. Tiergestützte Pädagogik ist eigentlich, dass das Tier einfach nur da ist oder dabei ist, wo Menschen sind.
Bettiversum: In welcher Situation kann Menschen durch tiergestützte Pädagogik geholfen werden?
Jessica: Mein Konzept ist, dass ein- bis zweimal die Woche Seniorinnen und Senioren aus einem Pflegeheim zu mir und meinen Schafen kommen und einen halben oder ganzen Tag mit den Tieren verbringen.
Bettiversum: Was bedeutet die Arbeit für die Tierhalterin?
Jessica: Damit ich mit den Tieren arbeiten kann, muss ich meine Arbeit als „Fachkraft für tiergestützte Pädagogik“ beim Veterinäramt anmelden. Dann muss ich meinen Sachkundenachweis beantragen. Anschließend werde ich vom Veterinäramt geprüft und danach darf ich auch erst tätig werden. Ich habe eine zweijährige Ausbildung gemacht.
Bettiversum: Nun noch ein paar Fragen zu der Haltung von Schafen generell: Was fressen Schafe?
Jessica: Die Hauptnahrung ist Heu, Stroh und Wiese.
Bettiversum: Was ist im Alltag bei der Pflege von Schafen wichtig?
Jessica: Im Alltag ist wichtig, dass immer frisches Heu und Wasser da ist und dass die Tiere die Möglichkeit haben, immer auf eine Wiese zu gehen. Die Tiere sollten immer Gras fressen können. Dann ist die Klauenpflege wichtig, die findet zwei mal im Jahr statt und gehört nicht zur täglichen Pflege. Wichtig ist die Grundkontrolle. Das heißt, immer zu schauen ob es dem Tier gut geht. Ob ein Tier apathisch wirkt oder ob das Tier genug frisst. Außerdem sollte man schauen, ob das Tier mit der Gruppe mitläuft und ob es aufgeweckt ist. Außerdem schaut man sich die Augen an – die Bindehaut und die Farbe – und die Fellstruktur.
Bettiversum: Gibt es eine Rangordnung und wenn, wie bestimmt man die?
Jessica: Es gibt eine Rangordnung – meistens führt ein älteres weibliches Tier die Herde. Bei meinen kann ich es noch nicht sagen, da alle ein Jahr alt und gerade erst zusammen gekommen sind. Die Schafe machen das untereinander aus.
Bettiversum: Gibt es auch Kämpfe um die Rangordnung zu bestimmen?
Jessica: Ja, die gibt es.
BV: Vielen Dank für das Interview!
