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Du nicht? Lies Morton Rhue: Die Welle

Wie gut kennst du dich selbst? Du kennst doch bestimmt deine eigenen Grenzen. Du würdest doch merken, wenn du in etwas hinein gerätst, wo du eigentlich nichts verloren hast. Oder?

Am Thementag der Bettinaschule im Juli 2026 mit dem Fokus auf Autokratie hatten wir Gelegenheit, uns mit dieser Frage zu befassen. Wir konnten die deutsche Verfilmung des Jugendromans ,,Die Welle“ von Morton Rhue aus dem Jahr 1981 anschauen. Der Roman wurde eigentlich zweimal verfilmt (1981, 2008) und es gibt eine daran angelehnte sechsteilige Netflix-Serie (2019). Die Welle erzählt die Geschichte des amerikanischen Geschichtslehrers Ben Ross, der mit seiner Schulklasse ein Experiment zum Totalitarismus startet, um zu zeigen, wie schnell faschistisches Denken entsteht.

Nach einem Film über den Nationalsozialismus fragen sich die Schüler der Gordon High School fassungslos, wie die deutsche Bevölkerung den NS-Terror einfach zulassen konnte und behaupten, dass sich so etwas niemals erneut abspielen könnte, weil die Menschen viel zu aufgeklärt seien. Doch stimmt das wirklich?

Geschichtslehrer Ben Ross will ihnen das Gegenteil beweisen und startet das Experiment ,,Die Welle“ mit dem Vorsatz, den Schüler*innen Disziplin und Ordnung beizubringen. Er stellt Leitsätze auf wie ,,Macht durch Disziplin“, ,,Macht durch Gemeinschaft“ und ,,Macht durch Handeln.“ Die Schüler geben sich der Idee einer Gemeinschaft schnell hin und bemerken ,,eine Energie, die einfach mitreißend ist.“

Doch aus Disziplin entwickelt sich schnell ein starker Gruppenzwang. Symbole wie ein eigener Gruß, Mitgliedskarten oder Armbinden tauchen auf. Plötzlich wollen auch Schüler aus anderen Kursen ein Teil der Welle sein, Außenseiter, wie Schüler Robert, blühen auf und entwickeln sich zu mächtigen Mitgliedern der Welle. Kritiker werden ausgegrenzt und sogar bedroht. An der Schule droht, Gewalt auszubrechen.

Als Ben Ross merkt, dass die Lage schon völlig außer Kontrolle geraten ist, beschließt er, der Welle so ein Ende zu setzen, wie er sie erschaffen hat. Er beruft eine Versammlung in der Aula ein. Dort konfrontiert er die Mitglieder der Welle mit ihrem ,,nationale Anführer“- der sich als Adolf Hitler entpuppt, dessen Bild riesig auf einer Leinwand projiziert wird. Die Schüler erkennen entsetzt, dass sie freiwillig Teil einer faschistischen Diktatur geworden sind.
In der deutschen Verfilmung von 2008, die uns am Thementag gezeigt wurde, wird das Ende der Welle auf extremste Art dargestellt: der psychisch kranke Schüler Tim (angelehnt an Robert) zieht eine Waffe, verletzt Schüler und nimmt sich das Leben.

Die Welle zeigt die immer noch erschreckende Dynamik von Gruppenzwang, der nicht an eine historische Epoche gebunden ist, von faschistischem Denken und der Ausgrenzung von Andersdenkenden. Die Botschaft, die Morton Rhue uns mitgeben will, ist klar: Niemand ist immun, Faschismus und Gruppenzwang können immer und überall entstehen. Die Sehnsucht, dazugehören zu wollen, ist immer groß. Hinterfrage Befehle und sei misstrauisch, wenn dir jemand sagt, dass du das gleiche wie alle anderen tun sollst.

Raphael Wallbott, 8c