Ein Krimi: Die Schulsprecher:innenwahl
Die diesjährige Schulsprecher.innenwahl war so spannend wie nie. Zwei Teams haben aktiven Wahlkampf betrieben mit Plakaten und Videos auf Social Media Plattformen wie Instagram. Es musste jedoch nach durchgeführter Wahl nochmal neu gewählt werden, weil der Vorwurf des Wahlbetrugs im Raum stand. Am Ende setzte sich Team 2, bestehend aus Larisa, Odile, Hannah, Pavle (Q1) gegen Team 1, bestehend aus Karla, Ella, Din und Oscar (Q1), durch. Die Wahl war wirklich aufregend und lehrreich – im Nachhinein. Im Gespräch mit Vertreter*innen beider Teams sind wir den Hintergründen für die konflikthaften Ereignisse auf den Grund gegangen.
Zwei große Teams stellen sich zur Wahl – das zeigt ein großes Interesse, Entscheidungen in der Schule mitzugestalten und den Willen, die Schülerschaft aktiv zu vertreten. Das ist erstmal was Gutes. Es macht Hoffnung, wenn man sieht, dass es aktive Schüler*innen gibt, die gerne etwas verändern wollen. Die Beweggründe beider Gruppen, sich als Schulsprecher*innenteam wählen zu lassen, zeigten denn auch deren Engagement. Das erste Team bemängelte die fehlende Präsenz der vorherigen Schul-sprecher:innen und wollte das Miteinander innerhalb der Schulgemeinde fördern. Auch das zweite, das letztendliche „Gewinnerteam“, hatte als Ziel eine besseren Vernetzung und Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler:innen sowie innerhalb der Schülerschaft. Auf diesem Weg möchten sie zur Zusammenarbeit anregen und gemeinsame Projekte wie Schulbälle, Parties etc. ins Leben rufen.
Trotz oder vielleicht wegen der ähnlichen Ziele beider Teams entstand während der Zeit des Wahlkampfes eine deutliche Rivalität. Das zeigte sich in Sticheleien, wie beispielsweise in einem Video des zweiten Teams auf Social Media. Es wurden Andeutungen gemacht, die viele als kränkende Seitenhiebe dem ersten Team gegenüber wahrnahmen. In einem Video schrieben sie zum Beispiel: „Wie wir uns fühlen, wenn wir wissen, dass wir Gutes für die Schule tun wollen, ohne von egoistischen Motiven getrieben zu werden“. Sie unterstellten damit offensichtlich Team 1, aus egoistischen Interessen heraus zu handeln, statt eine Interessenvertretung für alle anzustreben. Schnell war das in der Schule verbreitet und die Spekulationen, wer gemeint sein könnte, brachten klar zum Ausdruck, dass es sich bei der Anspielung um das gegnerische Team handelte.
Diese Anschuldigungen wies das zweite Team zurück. Sie hätten mit ihrem Video niemanden angreifen wollen und mit dem Statement bloß ihre Aufrichtigkeit als Schulsprecher*innen unterstreichen wollen. Trotzdem lösten sie bei dem ersten Team den Ehrgeiz aus, selbst auch mehr Wahlkampf zu betreiben. So entstand die Idee, ein Werbevideo zu machen, bei dem sich verschiedene Mitglieder der Schulgemeinschaft, darunter auch Lehrkräfte, für das erste Team aussprachen. Man sieht: Die Teams schaukelten sich immer weiter hoch und der Wahlkampf wurde weniger professionell und eher persönlich.
Das Drama begann nach der Wahl
Nach der Wahl begann dann das eigentliche Drama: Bei der Stimmenauszählung wurden mehrere Stimmzettel mit gleicher Handschrift gefunden und jüngere Schüler*innen aus den unteren Stufen berichteten, sie seien dazu angestiftet worden, mehrere Zettel abzugeben. Ursprünglich richteten sich die Vorwürfe gegen das Team 1. Die Stimmzettel deuteten allerdings auf einen Betrug des Gewinner-Teams 2 hin. Die Vorwürfe, jemand habe den Wahlgang absichtlich manipuliert, indem er ausgewählten Personen mehrere Wahlzettel gegeben habe, wiesen beide Teams zurück. Beide Teams sind sich im Nachhinein einig, dass jegliche Unstimmigkeiten bei den Wahlzetteln auf eine fehlende beziehungsweise unzureichende Kommunikation zwischen den Teams und den Organisator*innen zurückzuführen ist.
Was wirklich passiert ist, lässt sich jetzt, im Nachhinein, nicht mehr zurückverfolgen. Aber es ist klar, dass ein erneuter Wahlgang notwendig war – das beteuern auch die beiden Teams. Unschön war: Die Anschuldigungen der Wahlmanipulation richteten sich zwar gegen beide Teams, explizit hervorgehoben in diesem Prozess wurde aber nur ein Schüler aus Team 1, den diese Anschuldigungen sehr getroffen haben. Besonders die schnelle Verbreitung des Gerüchts, sei schließlich dann auch der Grund gewesen, so mutmaßte er, warum sein Team schlussendlich verloren habe. In jedem Fall zeigt der Vorgang, dass die Verbreitung von Gerüchten ohne wirkliche Faktengrundlage dazu beiträgt, dass einzelne (oder auch Gruppen) in einen Verdacht geraten, gegen den es schwer ist, sich zu wehren.
Die gewählten Schülersprecher*innen haben sich nun, da die Wahlen vorüber sind, einiges vorgenommen. Als höchste Priorität sehen sie die Transparenz ihrer Arbeit an und den Wunsch, alle Schüler*innen an unserer Schule mitzunehmen bei dem, was sie planen und unternehmen. Dazu haben sie als erstes verschiedene WhatsApp-Gruppen gegründet, durch die sie hoffen, die Kommunikation untereinander zu vereinfachen.
Der gesamte Wahlprozess war für uns alle sehr lehrreich. Er hat gezeigt, wie wichtig ein transparentes und auf nachvollziehbaren Regeln beruhendes Vorgehen bei Wahlen ist und wie schnell Gerüchte Unsicherheiten und Misstrauen verbreiten können. Der beschriebene Vorfall ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig ein respektvoller Umgang untereinander ist, denn trotz aller Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten sprechen beide Teams jetzt mit großem Respekt über das andere und beweisen dadurch Integrität und Fairness.
Nun blicken wir gespannt auf das nächste Jahr und auf das, was die Schülersprecher-Teams alles umsetzen können. Bis zur nächsten Wahl haben wir hoffentlich alle dazugelernt und wiederholen nicht die gleichen Fehler.
Luna Bender, Q 2