Zum Hauptinhalt springen

Einfach machen! – Gespräch mit Kommunalpolitiker Benjamin Alicic

Politik wird oft als Thema für die ältere Generation wahrgenommen. Doch auch junge Menschen können Verantwortung übernehmen und die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Unser heutiger Interviewgast, Benjamin Alicic, zeigt genau das: Der Abiturient engagiert sich bereits in der Kommunalpolitik der Partei „Die Linke“ und setzt sich für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger ein. Im folgenden Interview sprechen wir mit ihm über seinen Weg in die Politik, seinen Alltag zwischen Schule und politischer Arbeit sowie über seine Erfahrungen und Zukunftspläne.

BV: Bevor wir über dein politisches Engagement sprechen, stelle dich doch bitte kurz vor.

Benjamin Alicic: Mein Name ist Benjamin Alicic und ich bin 20 Jahre alt. Ich habe gerade mein Abitur gemacht und bin Kommunalpolitiker für die Partei „Die Linke“.

BV: Wie bist du zur Kommunalpolitik gekommen und was hat dich motiviert, dich politisch einzubringen?

Benjamin Alicic: Also … ich bin über den normalen Weg zur Kommunalpolitik gekommen, indem ich einer Partei beigetreten bin. Ich habe versucht, mich einzubringen, und das eben auf kommunaler Ebene, weil diese näher an uns Bürgerinnen und Bürgern ist.

BV: Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten gehören zu deiner politischen Arbeit?

Benjamin Alicic: In erster Linie meine Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung im Römer, wo wir tagen. Dort diskutieren und entscheiden wir über die Verteilung kommunaler Finanzen. Um diese möglichst effizient verteilen zu können, gibt es verschiedene Arbeitsgruppen beziehungsweise Ausschüsse, wie man sie auch aus dem Bundestag kennt, in denen bestimmte Problematiken aufgegriffen werden. Dabei kann es um Kleinigkeiten wie beispielsweise Mülleimer auf den Straßen bis hin zu großen Finanzierungsprojekten gehen, die auch internationale Bezüge haben.

BV: Viele Menschen können sich den Alltag eines Kommunalpolitikers nur schwer vorstellen. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Benjamin Alicic: Jeder Tag ist anders. Als Beispiel nehme ich einen Tag aus meiner regulären Schulzeit. In erster Linie habe ich morgens und nachmittags versucht, die Schule zu bewältigen und meine schulischen Aufgaben zu erledigen. Abends bin ich dann zu Terminen gegangen und habe versucht, mein politisches Engagement mit meinem Alltag zu verbinden. Aber kein Tag ist wie der andere. Manchmal hat man auch tagsüber Termine, dann muss man in der Schule Bescheid geben, dass man nicht kommen kann.

BV: Vor welchen Herausforderungen hast du als Abiturient gestanden, der sich gleichzeitig politisch engagiert?

Benjamin Alicic: Das große Problem ist das Zeitmanagement. Man muss damit rechnen, dass man an vielen Tagen sehr müde zur Schule kommt und insgesamt sehr erschöpft ist. Man versucht, eine Mammutaufgabe mit der anderen zu verbinden. Meine größte Herausforderung war es, meine Zeit zu planen und richtig zu koordinieren. Es ist möglich, aber es ist schon viel, besonders in Stressphasen wie dem Abitur.

BV: Wie nimmst du das politische Bewusstsein an der Bettinaschule wahr und welchen Stellenwert hat aus deiner Sicht der PoWi-Unterricht für das politische Bewusstsein?

Benjamin Alicic: Das hängt sehr vom einzelnen Menschen ab. Ich merke besonders in den jüngeren Jahrgängen, dass es einen gewissen Rechtsruck gibt, aber ich habe das Gefühl, dass es nach wie vor einen politischen Konsens an der Schule gibt, zum Beispiel über die Wichtigkeit der Menschenrechte. Es gibt einen Zusammenhalt und ein politisches Engagement, das ich mir auch weiterhin wünsche.

Zur zweiten Teilfrage würde ich sagen, dass der PoWi-Unterricht einen nur so weit bringen kann, wie die Person es zulässt. Wenn man sich auf den Unterricht einlässt, ist er eine gute Grundlage, um zu lernen, wie man mit verschiedenen Positionen umgeht und diskutiert. Ich würde politisches Engagement aber nicht vom PoWi-Unterricht abhängig machen. Aktiv zu werden ist eine Chance, sich selbst weiterzuentwickeln.

BV: Als junger Mensch bringst du sicherlich eine besondere Perspektive in politische Diskussionen ein. Für welche politischen Themen setzt du dich besonders ein und warum?

Benjamin Alicic: Meine zwei Steckenpferde sind zum einen Diversität, da ich selbst als queere Person in Frankfurt aufgewachsen bin und die Lebensrealität queerer Menschen kenne. Zum anderen ist es die Bildung. Mit diesem Thema hatte ich schließlich in den letzten 13 Schuljahren besonders intensiv zu tun. Der fehlende Stellenwert von Bildung zeigt sich leider auch in der Ausstattung und Instandhaltung der Schulen. Wir kennen das auch von unserer Schule: Die bauliche Instandhaltung hat sehr nachgelassen. Ich hatte das Gefühl, dass es wichtig ist, die Stimme der jüngeren Generationen einzubringen und Forderungen aus unserer Perspektive zu vertreten, etwa gut ausgestattete Schulen. Das sollte eigentlich Konsens sein, wird aber in dieser Form nicht umgesetzt.

BV: Wenn du morgen eine Sache in Frankfurt sofort verändern könntest – welche wäre das und warum?

Benjamin Alicic: Das Erste, was mir einfällt, ist die Finanzierung von Bildungsstätten, damit man dort optimal lernen kann. Gerade weil wir als Generation vor einigen politischen Herausforderungen stehen, beispielsweise der Wehrpflicht, finde ich es ein großes Armutszeugnis, dass wir in Bildungsstätten lernen müssen, die für mich sinnbildlich für Deutschland stehen: Wir müssen unter schlechten Bedingungen lernen. Das wäre daher das erste Problem, das ich angehen würde. Aber es gibt viele weitere Probleme, die genauso wichtig sind.

BV: Da du selbst politisch aktiv bist, kannst du die Situation junger Menschen in der Politik besonders gut einschätzen. Werden die Interessen junger Menschen ausreichend berücksichtigt?

Benjamin Alicic: Ich würde stark behaupten, dass das nicht der Fall ist. Wir sehen, dass die Partizipation auch auf kommunaler Ebene sehr schwächelt. Es fehlt an Zugängen, an Räumen und an Finanzierung für die politische Bildung verschiedener Gruppen. Daher würde ich sagen, dass es noch viel Nachholbedarf bei der politischen Beteiligung der Jugend gibt.

BV: Gibt es ein Erlebnis oder einen Moment in deiner politischen Arbeit, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Benjamin Alicic: Ein besonderer Moment war die letzte Plenarsitzung. Dort haben wir über einen Antrag im Zusammenhang mit Suchthilfezentren gestritten. Eine Dame hielt eine sehr menschenverachtende Rede und bezeichnete uns von der Linkspartei beim Verlassen des Podiums als „asozial“, weil wir angeblich nicht auf andere Meinungen hören würden. Das bezog sich darauf, dass meine Fraktionsvorsitzende ihre Rede unterbrochen hatte. Die Dame hatte suchtkranke Menschen in ihrer Rede als „Monster“ bezeichnet und sie durch weitere Ausdrücke entmenschlicht. Hier habe ich gemerkt, dass ich mich nicht in einem Diskussionszusammenhang befinde, in dem sachlich über verschiedene Aspekte eines Themas gesprochen wird, sondern dass man Menschen gegenübersitzt, die ein grundsätzlich anderes Menschenbild haben. Das hat mich sehr negativ bewegt. Andererseits hat mich diese Erfahrung darin bestärkt, politisch weiterzuarbeiten und mich einzubringen, weil so etwas für mich einfach nicht geht.

BV: Zum Abschluss möchten wir noch einen Blick auf deine persönliche Zukunft werfen. Kannst du dir vorstellen, eine politische Laufbahn einzuschlagen?

Benjamin Alicic: Politisch aktiv werde ich immer bleiben, weil ich ein politischer Mensch bin. Ob ich eine politische Laufbahn einschlage, hängt davon ab, ob ich den Eindruck habe, dass meine Stimme gebraucht wird. Dann würde ich natürlich gerne weiter in der Politik aktiv bleiben und vielleicht auch Ämter übernehmen. Aber das kann ich heute noch nicht sagen.

BV: Welchen Rat würdest du Jugendlichen geben, die sich ebenfalls politisch engagieren möchten?

Benjamin Alicic: Macht es einfach! Geht in die entsprechenden Räume und diskutiert, auch wenn es manchmal schwierig wird, weil man mit älteren Leuten spricht, die meinen, sie seien etwas Besseres oder hätten sowieso recht. Im Endeffekt sind alle gleichberechtigt, trotz unterschiedlicher Erfahrungen. Es ist zwar mit viel Stress und Zeit verbunden, aber man macht es gerne, weil man sieht, was es bewirkt. Macht es einfach!

BV: Vielen Dank für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke in dein politisches Engagement. Deine Erfahrungen zeigen, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können. Wir hoffen, dass dieses Interview unseren Leserinnen und Lesern einen interessanten Einblick in die Kommunalpolitik gegeben hat und sie vielleicht sogar motiviert, sich selbst gesellschaftlich oder politisch zu engagieren.

Für deinen weiteren Weg wünschen wir dir viel Erfolg und alles Gute.

Huda Shamsi (10d) im Gespräch mit Benjamin Alicic am 15.06.2026