Lehrer des Monats: Herr Dr. Yueker
„Ich wollte immer Wissenschaftler werden“, sagt Dr. Yueker in unserem Interview. Wie gut, dass er dennoch an die Schule gegangen ist. In unserer neuen Rubrik „Lehrkraft des Monats“, stellt die Bettiversum-Redaktion in lockerer Reihenfolge Lehrkräfte vor, die uns besonders auffallen. Zum Beispiel, weil sie, wie Herr Yueker, besonders interessante Projekte machen im Unterricht.
BettiVersum: Herr Yueker, schön, dass Sie sich Zeit nehmen. Fangen wir ganz vorne an: Wer sind Sie, wo kommen Sie her und was wissen die meisten vielleicht noch nicht über Sie?
Herr Yueker: Ich bin Frankfurter. Ich habe Lehramt studiert, aber mein Weg war nicht ganz gradlinig. Eigentlich führte mich ein abgelaufenes Stipendium auf diesen Pfad, Lehrer zu werden. Meine erste Schule war damals eher eine „Notlösung“, aber das Feedback der Schüler hat alles verändert. Sie sagten mir: „Sie sind der Einzige, bei dem wir was verstanden haben.“ Das hat mich geprägt.
BV: Warum sind Sie letztendlich Lehrer geworden? Was motiviert Sie jeden Morgen?
Herr Yueker: Ich habe einem Freund einmal versprochen, etwas Sinnvolles zu tun. Diese Rolle als Lehrer hat für mich auch heute noch einen tiefen Sinn – manchmal sind es die ganz kleinen Dinge im Alltag, die zählen. Meine eigenen Erinnerungen an meine Schulzeit spielen dabei auch eine große Rolle.
BV: Sie blicken auf eine lange Schulzeit zurück. Wie war das damals bei Ihnen?
Herr Yueker: Ich war von der 1. bis zur 13. Klasse auf einer Privatschule im Holzhausenviertel. Ich hatte dort Lehrer mit enormem Wissen, hatte aber oft das Gefühl, dass sie eigentlich noch viel mehr hätten geben können. Ich selbst war eher am Rand, kein Angeber und wollte auch nicht unbedingt „dazugehören“. Ich habe damals gelernt: Freundschaften hängen von gemeinsamer Leidenschaft ab, das muss nicht unbedingt in der Schule passieren.
BV: Sie haben einen Doktortitel erworben. Wie kam es dazu und worüber haben Sie geforscht?
Herr Yueker: Das hatte einen ganz banalen Grund: Ich wollte immer Wissenschaftler werden und wollte den Titel als Basis für eine eventuelle Zukunft in der Forschung. In meiner Arbeit ging es um die Entstehungsphase des Universums sowie die Untersuchung und die Folgen des heutigen Universums. Ein sehr persönlicher Moment war, dass meine Großmutter genau an dem Tag starb, an dem ich meinen Titel erhielt – fast so, als hätte sie darauf gewartet.
BV: Das ist schade… Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee für das Mathe-Projekt in der neunten Klasse?
Herr Yueker: Ich habe schon immer gerne Projekte gemacht. Das fing schon früher an, zum Beispiel mit den Energieparkhäusern in einer 7. Klasse in Physik. Mein Ansatz ist einfach: Die Schüler müssen es mögen, um es zu verstehen. Wenn jeder etwas machen dürfte, worauf er wirklich „Bock“ hat, wäre das Interesse ein ganz anderes. Das testen wir zum Beispiel auch in der Science AG.
BV: Wenn Sie das Schulsystem ändern könnten: Wo würden Sie ansetzen?
Herr Yueker: Drei Dinge sind mir wichtig: Erstens muss die Schule genug Mittel haben – egal woher das Geld kommt -, damit sie sich weiterentwickeln kann. Zweitens würde ich die starren Strukturen auflösen, um die effektivsten und individuellsten Modelle für Schule zu entdecken. Mehr Freiheit!
BV: Welche Ratschläge haben Sie für einen guten Unterricht, sowohl für Lehrer als auch als Schüler?
Herr Yueker: Mir ist es hauptsächlich wichtig, dass ein Wohlfühlen in der Schule ermöglicht wird. Man muss erlauben, dass die Schüler für etwas brennen, aber auch klare Grenzen festlegen – zum Schutz der Schüler.
Und an euch Schüler: Egal welchen Lehrer ihr vor euch habt, stellt Fragen, wenn ihr etwas nicht verstanden habt! Und sorgt gemeinsam dafür, dass der Ort Schule Spaß macht, egal, wie er sonst sein mag. Jeder einzelne Schüler kann etwas verändern.
BV: Herr Yueker, vielen Dank für das Gespräch!
Malik und Donatello, 9d