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Was macht die Oberstufe aus? Interview mit Hanna, Q2

Viele von uns aus der Unter- und insbesondere Mittelstufe fragen sich, wie sich der Schulalltag in der Oberstufe verändert. Darüber möchten wir heute mit einer Schülerin, unserer Chefredakteurin Hanna Zanolin aus der Q2, sprechen.

Liebe Hanna, wenn du die Oberstufe in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das – mit einer kurzen Begründung?

Also… die Oberstufe ist „frei“. Man hat viel mehr Freiheiten, allein, weil man schon einige Fächer abwählen und sich Leistungskurse aussuchen darf. Außerdem würde ich das Wort ,,Wettbewerb“ nennen, weil alle um jeden einzelnen Punkt kämpfen. Besonders in der 12. Klasse, weil es den ganzen Schnitt verändern kann. Da vergleicht man sich leider sehr schnell mit anderen. Das dritte Wort wäre „anstrengend“, weil die Tage sehr lang sind u.a. weil man viele Freistunden hat, in denen man auf den nächsten Unterricht warten muss.

Viele haben Respekt vor den Anforderungen der Oberstufe. Wie viel mehr muss man tatsächlich lernen?

Also, das ist etwas schwieriger zu sagen…Man muss anders lernen. In der Oberstufe ist (fast) jede Arbeit nach einem bestimmten Schema aufgebaut, sodass man sich besser auf die Arbeiten vorbereiten kann. Man muss außerdem das Gelernte mehr miteinander verknüpfen und die Zusammenhänge verstehen. Natürlich muss man mehr lernen, aber es kommt in Schüben. In einigen Wochen hat man sehr viel durch Klausuren und Projekte zu tun. In anderen Wochen hat man keine Klausuren mehr und es entfällt viel Unterricht, was natürlich entspannter ist.

In der Oberstufe kann man zwei Schwerpunkte, also Leistungskurse wählen. Nach welchen Kriterien hast du deine ausgewählt?

Darüber wird immer viel diskutiert. Ich persönlich habe die Leistungskurse Biologie und Chemie. Raten würde ich euch, nicht nach Lehrern zu wählen und nicht auf Vorurteile zu hören. Falls man nicht mit einem Lehrer zurechtkommen sollte, kann man immer noch nach dem Halbjahr den Leistungskurs wechseln. Ich würde immer schauen, welche Fächer mir leichter fallen und bei welchen Fächern ich am meisten Spaß beim Lernen habe. Und damit meine ich nicht nur den Unterricht, sondern auch das Lernen Zuhause für die Klausuren.

Hat sich die Oberstufe so entwickelt, wie du sie dir vorgestellt hast? Wie unterscheidet sich der Alltag von dem eines 10. Klässlers /einer 10.Klässlerin?

Also, ich hatte gerade durch die vielen Warnungen der Lehrer:innen große Angst vor der Oberstufe. Ich dachte, dass alles schwerer wird und dass meine Noten dadurch automatisch alle schlechter werden, aber das stimmt gar nicht. Es ist wie ein Neustart, den man sehr gut für sich nutzen kann, was mich dann positiv überrascht hat.

Viele stellen sich die Oberstufe stressig vor und es klingt auch so. Wie schaffst du es, Schule, Freizeit und Hobbys unter einem Hut zu bekommen? Wie teilst du dir die Zeit ein?

Das ist schwierig zu beantworten, weil es von Person zu Person unterschiedlich ist. Viele haben neben der Schule einen Minijob, ich gebe bspw. nach der Schule Nachhilfe. Danach mache ich meistens Hausaufgaben und vor wichtigen Klausuren muss man natürlich mehr lernen und die Schule priorisieren. In diesen Zeiten bleibt eigentlich kaum noch Zeit für Hobbys. Wenn aber die Klausurenphase vorbei ist, habe ich dann natürlich viel mehr Zeit für meine Hobbys. Es klingt alles so ernüchternd, aber es ist nicht so schlimm. Wie gesagt, es ist bei jedem unterschiedlich. Es gibt auch einige Schüler, die mehr Zeit für ihre Hobbys haben. Es ist stark von der Person abhängig, von ihrem Lerntyp, von dem Zeitmanagement und von vielen weitere Faktoren.

Man hört von vielen Lehrern, dass der Unterricht in der Oberstufe lockerer und selbstständiger sein soll. Stimmt das tatsächlich oder ist das eher ein Vorurteil?

Ich würde sagen, dass es in den meisten Fällen stimmt. Aber Achtung: Nur weil der Unterricht lockerer ist und eine schöne Atmosphäre herrscht, heißt das nicht, dass die Notenvergabe „locker“ ist.

In vielen Kursen wird mittlerweile digital gearbeitet. Würdest du SchülerInnen empfehlen, sich ein Tablet anzuschaffen? Warum oder warum nicht?

Wenn man es schafft, sich nicht vom Tablet ablenken zu lassen, kann es wirklich sehr praktisch sein. Ich nutzte selber ein Tablet und mir hat es sehr geholfen, mich zu organisieren. Man hat den ganzen Unterrichtsstoff auf einem Gerät gespeichert und kann schnell darauf zurückgreifen. Es ist wie ein Lernpool sozusagen, wo ich auch alle meine Lern-Apps haben. Das ist besonders praktisch, weil ich in meinen vielen Mittagspausen/ Freistunden Hausaufgaben schon direkt machen kann. Es gibt auch die andere Hälfte der Schüler, die ohne Tablet arbeiten und die haben auch nicht wirklich einen Nachteil. Ich würde sagen, es kommt immer auf die Person an und wie man sich gerne organisiert.

Mit etwas Abstand blick man oft anders auf die eigene Schulzeit zurück. Gibt es etwas, das du in der Unter- oder Mittelstufe heute anders machen würdest?

Ich glaube, ich würde etwas organisierter lernen. Ich wusste damals nicht so richtig, wie ich lernen soll, um es im Langzeitgedächtnis zu behalten. In manchen Fächern greift man viel auf Gelerntes zurück und ich merke, dass ich schon einige Lücken habe, die ich zwar schnell aufarbeiten kann, aber es wäre besser, wenn ich das gar nicht machen müsste. Wichtig ist es auch, sich nicht zu sehr zu stressen.

Vermisst du manchmal die Mittelstufe oder würdest du nicht mehr zurücktauschen wollen?

Ich würde nicht mehr zurücktauschen wollen, allein weil ich dieses Kurssystem besser finden. Man hat in jedem Kurs andere Personen und man ist viel mehr mit anderen vernetzt. Ich finde es auch gut, dass man einige Fächer abwählen darf und dass man Leistungskurse hat. Man kann sich quasi auf das spezialisieren, was man am besten kann. Außerdem kann man die Oberstufe wie den „finalen Sprint“ betrachten: Man muss sich zwar nochmal extra anstrengen, aber das Ende der Schulzeit ist auch nicht mehr weit. Auch wenn sich das alles total anstrengend anhört, ist das die beste Schulzeit, die ich je hatte.

Danke für das Gespräch, Hanna!
Mir hat das Interview gezeigt, dass die Oberstufe zwar neue Herausforderungen mit sich bringt, aber auch viele Chancen bietet. Vielleicht ist sie am Ende gar nicht so einschüchternd, wie sie manchmal wirkt.

Huda Shamsi im Gespräch mit Hanna Zanolin (Q2)